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Das Kapitalband – ein feines Stoffband mit grosser Geschichte

von Thomas Freitag

Vom Schutz des Buchrückens zum stilvollen Gestaltungselement ein Beitrag über die Geschichte und Bedeutung des Kapitalbands.

Wer ein hochwertiges Buch in Händen hält und von oben in den Buchrücken blickt, findet es fast immer. Ein Kapitalband ist kein Lese- oder Zeichenband. Das Zeichenband dient als Lesezeichen und dient zum schnellen Auffinden einer Stelle im Buch. Das Kapitalband ist ein feines Stoffbändchen, das sich wie eine Seidenraupe um den Buchrücken schmiegt und es als Dekorelement ziert.

 

Der Fachbegriff «Kapitalband»

Der Begriff Kapitalband leitet sich vom lateinischen Wort „caput“ (Kopf) bzw. dessen Verkleinerungsform „capitellum“ (Köpfchen / Kapitel) ab. Im Buchbindereifach wird die obere Schnittkante des Buches als Kopf und die untere als Fuss bezeichnet. Das heute gewobene und früher handwerklich hergestellte Band schliesst die Lücke zwischen Buchrücken und Decke ab.

Ursprünglich bezeichnete „Kapitell“ den oberen Abschluss von Säulen in der Architektur, wie man sie in Kirchen und Palästen findet. In der Welt des Buchbindens wurde dieser Begriff im Mittelalter auf die Verzierung des Buchblockrückens übertragen.

Auch wenn sowohl am Kopf wie am Fuss ein Band angebracht wird, erhielt das Band historisch die Bezeichnung nach dem oberen Kopfende.

 

Die Funktion des Kapitalbands

Von der Schutz- zur Deko-Funktion: Das Kapitalband gehört zu einem gepflegten Buch auch wenn es in der heutigen industriellen Fertigung ausser der Dekoration keine Funktion mehr hat. In der handwerklichen Buchbinderei wurde das Kapitalband nicht wie heute einfach aufgeklebt, sondern von Hand mit festem Zwirn um einen Kern (aus Hanfschnur, Kordel, Pergament oder Leder) direkt mit den einzelnen Lagen des Buchblockes vernäht. Dies diente der Stabilisierung, fixierte die Lagen bis in den Beschnitt und verhinderte ein Einreissen der Lagen, wenn ein schweres Buch aus dem Büchergestell gezogen wurde. Die Bücher damals waren aufgrund der Holzdeckel und des beträchtlichen Umfangs nicht nur inhaltlich gewichtig und mussten stabil gebunden sein.

In der heutigen industriellen Fertigung dient das maschinell gewobene Kapitalband wie erwähnt vor allem der Dekoration. Es deckt Leimspuren, Fälzelstreifen und den Hohlraum zwischen Buchblock und Buchdecke sauber ab. Daneben wird es als Designelement eingesetzt und setzt auf das Zeichenband und Vorsatzpapier abgestimmt interessante gestalterische Akzente.

In der handwerklichen Fertigung wird der Buchrücken auch heute noch in aufwändiger handwerklicher Arbeit durch handgestochene Kapitalbänder oder durch ein Echtlederkapital verschönert.

Wie das in der deutschen Sprache verwendete Wort "Kapitalband" stammt auch das italienische "il capitello" direkt vom lateinischen capitellum (Köpfchen / Kapitel)  für den Kopf des Buches ab. Anders beim französischen Pendant "la tranchefile". Das Wort setzt sich zusammen aus französisch "tranche" (Buchkante / Buchschnitt) und filer bzw. fil (Faden / spinnen, einfädeln) – wörtlich also ein Fadenband entlang der Buchkante.

Ein feines Kapitalband gehört zu jedem Buch!
 

BINDORAMA VIRTUELL

Kapitalband von Hand «gestochen»Kapitalband von Hand «gestochen»
Kapitalband industriell gefertigtKapitalband industriell gefertigt
Kapitalband DetailKapitalband Detail
Das Kapitalband als DekorelementDas Kapitalband als Dekorelement
Handgestochenes Kapitalband an einem HalbpergamentbandHandgestochenes Kapitalband an einem Halbpergamentband